Die zeitaufgelöste Faraday-Rotation ist eine Pump-Probe-Technik, die die Beobachtung der Spindynamik in Halbleiter-Heterostrukturen mit sub-Pikosekunden-Auflösung erlaubt. Mit einem zirkular polarisierten Pump-Puls werden in der Probe spinpolarisierte Elektron-Loch-Paare erzeugt. Ein zweiter, zeitlich verzögerter Probe-Puls dient zur Detektion der Spinpolarisation über den Faraday-Effekt. Eine Spinpolarisation in der Probe dreht die Polarisationsebene des linear polarisierten Probe-Pulses um einen kleinen Winkel. Über eine 'optische Brücke' sind kleinste Verkippungen der Polarisationsebene detektierbar. Die Zeitdifferenz zwischen Pump- und Probestrahl wird durch unterschiedliche Weglängen der Strahlen eingestellt.
Durch die Modulationsdotierung von Halbleiter-Heterostrukturen lassen sich zweidimensionale Elektronen- und Lochsysteme realisieren, in denen die Ladungsträger eine extrem hohe Beweglichkeit aufweisen. Damit sind diese Strukturen hervorragende Modellsysteme, um Vielteilcheneffekte (z.B. Elektron-Elektron-Wechselwirkung) zu untersuchen. Die Änderung der Dimensionalität ändert auch die Spin-Bahn-Wechselwirkung, dementsprechend wird die Spindynamik von Elektronen und Löchern drastisch verändert im Vergleich zu Volumen-Halbleitermaterial.
(a) In einem 2D-Elektronensystem kann die Spin-Bahn-Wechselwirkung eine deutliche Anisotropie haben. Dadurch wird die Spinlebensdauer von Elektronen mit verschiedener Spinorientierung stark unterschiedlich. Über zeitaufgelöste Faraday-Rotation mit angelegten Magnetfeldern lässt sich dieser Effekt beobachten.
(b)In einem 2D-Lochsystem kann bei sehr tiefen Temperaturen sowohl die Dynamik der Elektronen im Magnetfeld beobachtet werden, als auch die Dynamik der Löcher. Elektronen und Löcher haben stark unterschiedliche g-Faktoren, im Magnetfeld präzedieren sie also mit unterschiedlichen Frequenzen.